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Selen ist bei Erkrankungen der Schilddrüse nicht immer die 1. Wahl

Bis vor wenigen Jahren galt Selen bei Schilddrüsenerkrankungen als wahres „Wundermittel“. Tatsächlich benötigt unser Körper täglich Selen für das Immunsystem. Das Spurenelement schützt den Körper vor freien Radikalen. Die empfohlene Menge von etwa 60-70 Mikrogramm (Erwachsene) wird jedoch über eine ausgewogene Ernährung in der Regel von jedem Menschen leicht erreicht. Fleisch, Meeresfrüchte, Fisch, Eier sowie Milchprodukte, aber auch bestimmte Gemüse und Hülsenfrüchte sind reich an Selen. Gesunde Menschen benötigen daher keine Selenpräparate. Bei bestimmten Ernährungsformen (Vegetarier, Veganer) kann es sein, dass die Selenzufuhr geringer ist als bei anderen Menschen. Entsprechende Hinweise können über die Deutsche Gesellschaft für Ernährung abgerufen werden (www.dge.de). Das gleiche gilt für viele Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen: Diese Menschen brauchen oft überhaupt kein zusätzliches Selen. Dies gilt insbesondere für Patienten, die unter der Schilddrüsenerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis leiden. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis handelt sich um eine Autoimmunkrankheit. Die körpereigene Abwehr richtet sich nicht gegen Feinde von außen, sondern gegen die Schilddrüse. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis wird Selen immer noch oft routinemäßig gegeben, da man die Idee hatte, dies könnte sich positiv auf die Schilddrüsenfunktion auswirken. Es gibt aber nach aktuellem Kenntnisstand keinen Hinweis auf einen Nutzen bei dieser Erkrankung. Allerdings: Eine übermäßige Zufuhr von Selenpräparaten kann auch zu Nebenwirkungen führen. Internationale Leitlinien zur Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen haben diesen neuen Erkenntnissen Rechnung getragen und empfehlen nach gegenwärtigem Kenntnisstand keine Selen Gabe zur Vorbeugung oder Behandlung einer Schilddrüsen Unterfunktion (Amerikanische Schilddrüsen Gesellschaft (ATA)). Einen nachgewiesenen Nutzen hat Selen nur bei Patienten mit einer Augenbeteiligung beim Morbus Basedow. Diese tritt bei jedem zweiten Patienten mit Morbus Basedow auf. Morbus Basedow ist wie die Hashimoto-Thyreoiditis eine Autoimmunerkrankung. Auch hier greift das Abwehrsystem des Körpers irrtümlich eigenes Gewebe an, in diesem Fall hauptsächlich das der Schilddrüse. Typische Symptome bei einer Augenbeteiligung sind hervortretende Augen (Exophthalmus), mangelnder Lidschluss sowie ein Druckgefühl hinter dem Auge. Studien zeigen, dass sich bei betroffenen Patienten mild milden Symptomen durch zeitlich begrenzte Gabe von zusätzlichem Selen das Fortschreiten der Augenprobleme aufgehalten wurde und Augenbeschwerden abnahmen. (Leitlinie der Europäischen Schilddrüsen Gesellschaft 2016) In jedem Fall sollte also der Arzt im Einzelfall über eine zusätzliche Seleneinnahme entscheiden. In Eigenregie das Spurenelement zu nehmen, wäre keine gute Idee. Denn werden über einen längeren Zeitraum regelmäßig sehr große Mengen unnötig zugeführt, kann es zu Beschwerden kommen. Dazu gehören Haarausfall, Leberschädigungen, Nervenstörungen und Herzmuskelschwäche

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